Schwerpunkte

Ich wende mich mit meiner therapeutischen Herangehensweise in erster Linie an alle Personen, die Interesse daran haben, in einem analytisch orientierten psychotherapeutischen Verfahren sich selbst besser kennen zu lernen. Deshalb freue ich mich über jede Kontaktaufnahme, durch die herausgefunden werden kann, ob eine therapeutische Zusammenarbeit für beide Seiten positive persönliche Prozesse auslösen kann.

Seit ich vor ca. 7 Jahren angefangen habe, mich mit den psychosozialen Anforderungen und Herausforderungen zu beschäftigen, gilt mein persönlicher Schwerpunkt in der therapeutischen Arbeit den psychiatrischen Erkrankungen. Ich habe meine Praktika unter anderem in psychiatrischen Einrichtungen absolviert und arbeite auch derzeit ehrenamtlich als Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision in einer psychiatrischen Einrichtung.

Ich bin der Ansicht, dass gerade analytisch orientierte psychotherapeutische Verfahren, durch ihre Fokussierung auf unbewusste Prozesse und ihren Schwerpunkt auf psychodynamische Modelle struktureller Störungen, die Voraussetzung bilden, um mit Klienten, die an Frühstörungen leiden, fachgerecht arbeiten zu können.

Als Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision arbeite ich mit Klienten, die an frühen Störungen leiden, nur in enger Abstimmung mit dem psychosozialen Netzwerk des Klienten. Die Supervision findet mit Experten im Bereich Psychiatrie statt.

In meiner bisherigen Erfahrung im psychosozialen Bereich erlebe ich, dass auf die wichtige Gruppe der Angehörigen von psychisch erkrankten Menschen zu wenig eingegangen wird. Damit meine ich die Herausstellung ihres eigenen persönlichen Leidensweges, durch die Erkrankung eines geliebten Menschen, der ein sehr spezifischer ist und schwer von nicht Betroffenen nachvollzogen werden kann. Nachdem für den Genesungsverlauf psychisch erkrankter Menschen der „bedeutende Andere“ und stabile Beziehungen eine besonders wichtige Bedeutung haben, sehe ich die Beratung und psychotherapeutische Begleitung für Angehörige psychisch Erkrankter als ebenso wichtige psychosoziale Herausforderung an, wie die Unterstützung der psychisch Erkrankten selbst.

Für Angehörige geht es dabei um so elementare Themen, wie einen geliebten Menschen um sich zu haben und trotzdem immer wieder zu verlieren. Die Fragen, die in diesen Beziehungen an Angehörige gestellt werden, sind ein Ausgeliefertsein in dem Ringen um Abgrenzung und Unterstützung.  Die zwei verschiedenen Pole kreisen um die Frage, wo darf ich anfangen nur Ich zu sein und trotzdem ich Liebe bleiben? Diese Fragen können nach Phasen der Ruhe und der Hoffnung, „dass es nun endgültig gut wird“, immer wieder aufs Neue über die Beziehung hereinbrechen und die Angehörigen von einem Tag auf den anderen in neues Chaos und persönliche und oft auch materielle Instabilität stürzen. In diesen Situationen wird dann von Angehörigen verlangt besonders stark und für den kranken Angehörigen da zu sein, wo dieser in seiner Enttäuschung, dem Ausgeliefertsein und Alleine gelassen werden,  selbst Hilfe am stärksten benötigt.

Da es bei psychischer Erkrankung oft um die Frage der Existenz und Lebensberechtigung geht, kann es wichtig sein, dass auch Angehörige ihre eigenen Antworten für ihr Leben dazu finden. Psychisch Erkrankte suchen nach einer Stärke und Unabhängigkeit in Anderen, die sie in sich selbst in Zeiten der Krise nicht finden. Deshalb kann für Angehörige die Beschäftigung und Arbeit an sich selbst eine wichtige Aufgabe sein, um innerhalb dieser schwierigen Herausforderungen eine für beide Seiten fruchtbare und tragfähige Beziehung leben zu können.

Gerade die Analytische Psychologie scheut sich in der therapeutischen Zusammenarbeit nicht, die großen Fragen des Lebens gemeinsam anzuschauen und dazu gehört auch  die Arbeit am Existentiellen mit ihrer Herausarbeitung nach dem individuellen Lebenssinns. Es kann leichter sein, diese Fragen nicht alleine beantworten zu müssen. Deshalb freue ich mich, Sie in Ihrer eigenen individuellen Beantwortung dieser Fragen begleiten zu können.

In Österreich gibt es für Angehörige psychisch erkrankter Menschen auch die Beratungsstelle HPE – Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter.

Ich war bereits über 40 Jahre alt, als ich begonnen habe mich beruflich mit Psychotherapie zu beschäftigen. Meine erste Lebenshälfte habe ich in einem sehr an gesellschaftlichen Prozessen und leistungsorientierten Maßstäben gemessenen beruflichen Umfeld verbracht und verbringe immer noch einen Teil meiner beruflichen Laufbahn in diesem Umfeld. Durch meine beruflichen Werdegang und meinen Mut andere Anteile meiner Persönlichkeit leben zu lassen, die in nur einer Berufswelt zu kurz gekommen wären, habe ich für mich gelernt, dass nicht immer der eine Weg richtig und der andere falsch ist. Im Leben kann es auch darum gehen Synergien zu finden, die sehr fruchtbar sein können, um seine eigene Persönlichkeit zu komplementieren.  Dabei geht es darum herauszuarbeiten, welche Wege man möglichweise auch eingeschlagen hat, weil sie eine Prägung der Umgebung und Gesellschaft widerspiegeln, jedoch noch nicht die ganze Persönlichkeit umfassen. Je mehr man seine verschiedenen, anfänglich oft widersprüchlichen Persönlichkeitsanteile akzeptiert und ausleben kann, umso mehr kann man in seiner ganz eigenen Individualität mit großer persönlicher Freude seinen Beitrag im persönliche Umfeld und in der Gesellschaft ausleben und nicht nur seine „Arbeit leisten“.

Durch meinen eigenen beruflichen Erfahrungen, biete ich gerne Unterstützung bei Fragen nach beruflicher oder privater (Neu-)Orientierung an, bei der Klärung nach möglichen nicht gelebten Talenten und Ressourcen, die nach Verwirklichung streben. Gerade der Analytischen Psychologie steht in ihrer auf Kompensation und Individuation ausgelegten therapeutischen Haltung und ihren kreativen Prozessen um das Potential des Unbewussten nutzbar zu machen, hervorragende therapeutische Ansätze zur Verfügung, die dabei unterstützen können neue Wege aufzuzeigen, die zu mehr Sinnfindung und persönlicher Ganzheit führen.

Zu dem zu werden, der man eigentlich ist, das ist die persönliche Zielsetzung und therapeutische Haltung in der Auseinandersetzung mit sich selbst. Dabei werden auch existenzielle Fragen des Seins nicht gescheut, um individuell die eigenen Herausforderungen zu erkennen. Individualität meint im Jung’schen Sinn jedoch keinen „Ego-Tripp“, wie er heute oft gelebt wird, sondern eine Verankerung im Ganzen. Das heißt, ich kann meinen individuellen Weg nur finden, wenn ich die größeren Zusammenhänge in meinen Beziehungen zu anderen und zur Gesellschaft erkenne und mich darin orte.

Die Analytischen Psychologie geht von der Annahme aus, dass jeder zeitliche Lebensabschnitt eigene Aufgaben in sich birgt. Damit wird im Entwicklungs- und damit Individuationsweg des Menschen die erste Lebenshälfte als Expansionsphase gesehen. Die zweite Lebenshälfte, die für jeden Menschen zu einem anderen Zeitpunkt einsetzt, wird als langsame Phase der Introversion gesehen, des Zurückkehrens zu sich selbst.

Dazwischen liegen die sehr wichtigen Aufgaben der Lebensmitte, „die psychische Mittagsrevolution“ (GW Bd. 8 § 778, 781), wie Jung sie nennt, die mit ihren Fragen und Herausforderungen auf die zweite Lebenshälfte vorbereiten soll. Die Analytische Psychologie sieht die beste Prävention psychischer Störungen im höheren Lebensalter in einer phasengerecht durchlaufenen Lebensmitte, ohne den Versuch, die Jugend und ihre Gesetzmäßigkeiten festzuhalten.

Die Jungianische Entwicklungspsychologie, die jeder Lebenszeit ihre individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zuweist und sich nicht hauptsächlich auf die Kindheit fokussiert, kann dabei unterstützen, den jeweiligen Problemen und Herausforderungen, die beim Wechsel von einer Lebensphase in die andere auftreten, mit Verständnis entgegen zu treten. Dabei werden die inneren Veränderungen nicht als unangenehme Störungen eines einmal eingeschlagenen Weges gesehen, sondern als Chance zu neuen Entwicklungsmöglichkeiten der Persönlichkeit, um den Bedürfnissen der neuen Lebensphase gerecht zu werden.

In der gemeinsamen Betrachtung des „kleinen Sinns“; was ist der Sinn der einzelnen psychischen Phänomene, kann der Weg zu einem „größeren Sinn„; welchen Sinn hat meine Existenz, gefunden werden und damit Antworten zu neuen Herausforderungen, die das Leben an uns stellt.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es zu einer kollektiven Abwehr des Alterns zu kommen scheint. Dies kann mit dem unerwarteten Einbruch existenzieller Themen zu tun haben, die ab der Lebensmitte in das Leben des einzelnen einbrechen.

Die Analytische Entwicklungspsychologie nach C.G. Jung ist gekennzeichnet von einer enormen Wertschätzung der zweiten Lebenshälfte und des höheren Lebensalters. Dies unterscheidet sie grundlegend von der auf die Kindheit fokussierte Psychoanalyse. Jung sah gerade durch die Todesnähe das Alter als die Hochzeit im Leben der spirituellen Auseinandersetzung:

1950 schrieb er in einen Brief: „ dieser Anblick des Alters wäre wohl unterträglich, wenn wir nicht wüssten, dass unsere Seele in eine Region reicht, die weder der Veränderung in der Zeit noch der Beschränkung durch den Ort verhaftet ist. In jener Seinsform ist unsere Geburt ein Tod und unser Tod eine Geburt. Im Gleichgewicht hängen die Waagschalen des Ganzen.“ (Jung, Jaffé, 1973)

Diese positive Sicht und die Anregungen Jungs für ein „gelingendes Altern“ machen die Konzepte der Analytischen Psychologie so brauchbar für die therapeutische Arbeit mit den Herausforderungen des Alterns.

Ich habe eine Ausbildung zur Gerontopsychosozialen Beraterin bei agenetwork in Wien absolviert. Mir ist die Arbeit mit Menschen im höheren Lebensalter ein großes Anliegen.

Für hochbetagte Klienten biete ich auch Hausbesuche an.

"Altern ist vielleicht die Zeit, die wir brauchen, um von Beginn unseres Lebens an bis zu dessen Ende Tag für Tag geduldig zu entdecken, welchen Ausdruck wir der Liebe geben können, deren Existenz wir in einer Sekunde Ewigkeit intuitiv erfasst haben."

– Danielle Quinodoz, 2010

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