Einordnung der Analytischen Ausrichtung

In habe mich für die therapeutische Ausrichtung der Analytischen Psychologie nach C.G. Jung entschieden, weil ich in meinem Leben festgestellt habe, dass die persönliche Wahrheit hinter den Dingen liegt, die vordergründig sichtbar sind. Beim Menschen kann ein Zugang zu dem noch nicht Sichtbaren der eigenen Wahrheit das Unbewusste sein.

Der Grundgedanke der therapeutischen Ausrichtung nach C.G. Jung liegt darin, dass der Mensch als bipolares Wesen gesehen wird, der in jedem Augenblick, auch das Andere in sich trägt. Die Sicht zweier Pole in allen psychischen Erscheinungen, die ohne einander nicht existieren können und die nach Komplementarität streben, durchzieht das Therapiegebäude Jungs und bestimmt seine zugrundeliegende Sicht einer „kreativen Psyche“.  

Komplementarität als Ziel

In der therapeutischen Zusammenarbeit wird demnach nach einer kreativen Lösung für den Konflikt gesucht, weswegen der Klient eine Therapie aufsucht. Diese Lösung ist in der unbewussten Psyche des Klienten schon enthalten. Es geht darum, einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Pol, der zu sehr im Mittelpunkt steht und die Psyche durch Einseitigkeit erstarren lässt und dem Pol, der nicht gesehen werden möchte oder kann, der nicht mehr unterdrückt werden möchte und indem er Schmerz und Dysfunktionalität auslöst, um seine Daseinsberechtigung kämpft.

In der Analytischen Psychologie wird der Widerspruch, der Konflikt, als Chance und als Aufgabe gesehen, die andere Seite der eigenen Wahrheit kennen zu lernen. „Ganzheit heißt auch voll Widerspruch sein.

Konflikt als kreativer Prozess

Wie C.G. Jung sagt, ist ein wirklicher Konflikt niemals auf der gleichen Bewusstseinsebene lösbar, auf welcher er erlebt wird. Man kann ihm nur entwachsen. Wenn das Bewusstsein eines Menschen den Punkt erreicht, an dem beide Seiten des Konflikts gesehen und akzeptiert werden, verliert diese Erfahrung langsam ihren Konfliktcharakter. (Wilhelm & Jung 1986, S 20 f.)

Jungianisch ausgerichtete Psychotherapie bedeutet demnach das Streben nach einer vollständigen Sicht der menschlichen Seelenlandschaft und um diese zu erreichen, die Einbeziehung einer immer auch gegensätzlichen Sichtweise. Dabei wird einer dunkel-pessimistischen Sichtweise der Ergründung des Mangels, die analytischen psychotherapeutischen Ausrichtungen oft nachgesagt wird, in der Analytischen Psychologie C.G. Jungs eine ermutigende Sichtweise der komplementären Gegensatzstruktur entgegengestellt, die nach Ausgleich und Ganzheit strebt.

Das Unbewusste

In diesem Streben wird das Unbewusste in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt. Das Unbewusste wird dabei nicht als dunkler fremder angstmachender Abgrund gesehen, das gezähmt werden muss, sondern als eine hilfreiche Ressource des menschlichen Daseins, die es kennenzulernen und zu ergründen gilt. Deshalb kann die therapeutische Arbeit als ein kreativer Prozess gesehen werden, diese unbewusste seelische Landschaft kennenzulernen, in der andere Sprachen und Gesetze herrschen als in unserer Bewusstheit.

Diese Reise gestaltet sich in erster Linie über die therapeutische Beziehung, unter Einbeziehung einer Prozesstheorie, die die Individuation des Menschen im Laufe seines Lebens in den Mittelpunkt stellt.

Individuation – Werde der/die Du bist

Der Individuationsbegriff ist in der Analytischen Psychologie ein zentraler Terminus, wenn es um die Beschreibung des Weges hin zum Selbst und der Erfahrung von Ganzheit geht. Wenn der Mensch die Aufgabe der persönlichen Individuation annimmt, indem er sich innerseelischen Konflikten stellt, besteht die Möglichkeit der Verwirklichung von in ihm liegenden immanenten Möglichkeiten. Dabei richtet sich der Fokus auf die Herausbildung der zugrundeliegenden Persönlichkeit und die Ausrichtung auf ein innerseelisches Zentrum hin.

Für C.G. Jung ging es dabei um nicht weniger als um die „Umkehrung aller Werte und Ideale des Morgens“ (GW Bd. 8, §778)

Zusammenfassend ergeben sich folgende primäre Ziele der Analytischen Psychologie:

  • Erkennen der Aussage des Konfliktes/der Symptomatik und Ziehen der Konsequenzen daraus
  • Daraus resultierend Entwicklung der Selbstverantwortung (Rücknahme von Projektionen)
  • Förderung der persönlichen Entwicklung in Richtung auf das Individuationsziel (Werde der/die Du bist)

„Wo Archetypisches anklingt, wird menschliches Maß überstiegen."

– Kathrin Asper, 1990, S. 195

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